Bebauungsplanvorentwurf Heidelberg – Südstadt „Mark-Twain-Village-Nord“ Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Bauleitplanung

Hier: Stellungnahme des Stadtteilvereins Heidelberg-Südstadt e.V. zum Bebauungsplanvorentwurf  

An das Stadtplanungsamt der Stadt Heidelberg

Sehr geehrte Frau Friedrich, sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung nach § 3 Absatz 2 BauGB bringt der Stadtteilverein folgende Änderungs- und Konkretisierungswünsche des BPlan ­Vorentwurfs vor:

GFZ reduzieren : Die GFZ soll zumindest auf die vom Gemeinderat im Masterplan beschlossenen Obergrenzen reduziert werden. Insbesondere im Bereich der Rheinstraße ist die monströse Überschreitung auf das vorgegebene Maß zu verringern.

Begründung: Es ist auf allen Bürgerforen von Seiten der Bürgerschaft in der Südstadt immer wieder gefordert worden, die GFZ deutlich zu verringern. Die Kritik von Bürgerschaft und Bezirksbeirat, diese sei zu hoch, wurde beantwortet mit dem Hinweis, dass eine Unterschreitung im Bebauungsplan durchaus möglich sei. Tatsächlich sind in diesem Bebauungsplan die vom Gemeinderat im Masterplan beschlossenen GFZ nirgends unterschritten, an der Rheinstraße aber um 60% bzw. 280% überschritten.

Östliche Baugrenze des Baufeldes MK1 (Nahversorger) verschieben: Die Baugrenze des Nahversorgers im Bereich Kirschgartenstraße / Ostseite soll – entgegen der Angaben im aktuellen Entwurf - um mindestens 6 Meter nach Westen verschoben werden. Die erhaltenswerten Bäume Nr. 84 und Nr. 31 (laut Auflistung der Bestandsbäume durch das Amt 67) sollen stehen bleiben.

Begründung: Das im Bebauungsplan angegebene Baufenster nimmt den Anwohnern auf der gegenüberliegenden Seite der Kirschgartenstraße Licht und Luft. Die hier erlaubte Grundfläche und Höhe des Baukörpers dominiert die Umgebung in unerträglicher Weise, da sie deren Maße jeweils um ein mehrfaches überschreitet. Ein so riesiger „Klotz“ ist der Umgebung, insbesondere den direkten Anwohnern, nicht zuzumuten. Die Verminderung der überbauten Fläche würde auch die GFZ (siehe oben) auf ein erträgliches Maß reduzieren. In diesem Bereich wird außerdem Freiraum für Begegnung, der Erhalt der Bäume u.ä. gewünscht.

Verschiedene Dachformen ermöglichen: Der unter Punkt C.1 aufgeführten Satz „Die Dachflächen im Bereich der Neubebauung im Gebiet Nord-Ost sollen ausschließlich als Flachdächer ausgeführt werden.“ soll gestrichen und durch den Satz: „Dachflächen im Bereich der Neubebauung im Gebiet Nord-Ost, die als Flachdächer ausgeführt werden, sind zu begrünen“ ersetzt werden.

Begründung: Es muss die Möglichkeit gelassen werden, die Monotonie und Wucht der vorgesehenen quaderförmigen Gebäude durch andere Dachformen aufzulockern oder zu unterbrechen. Auch ist die „fünfte Ansicht“ der Blick vom Berg, d.h. die Dachlandschaft zu berücksichtigen.

Maximale Gebäudehöhe festschreiben: Im Bebauungsplan soll die maximal zulässige Gebäudehöhe auf den jeweiligen Baufeldern festgeschrieben werden, wie auch im Bebauungsplan MTV Südost gefordert.

Begründung: Die Festlegung der Vollgeschosse alleine ist nicht hinreichend aussagekräftig. Eine Aussage in Metern gibt allen Interessierten eine klare Orientierung. Auch in Bezug auf alternative Dachformen ist dies wichtig.

Auflockerung der Fassaden: Entlang der Stadtterrassen im westlichen Teil der Rheinstraße sollen Balkone nach Süden ermöglicht werden.

Begründung: Balkone lockern Fassaden deutlich mehr auf als Loggien.

Ergänzung einer Regelung für Zäune und Einfriedungen: Im gesamten Gebiet soll eine Aussage über mögliche Zäune und Einfriedungen der Grundstücke getroffen werden, ggf. auch unterschiedlich für einzelne Baufelder – z.B. wie im Bebauungsplan MTV Südost bereits geschehen.

Ergänzung einer klaren Regelung für die Verkehrsanbindung des Nahversorgers Dies betrifft sowohl die Zufahrt als auch die Abfahrt und zwar der Kunden und der Lieferanten.

Begründung: Der Quell- und Zielverkehr sollte nicht zu einer Überlastung der Kirschgartenstraße oder zu einem unverhältnismäßigen Rückstau für Linksabbieger aus der Rheinstraße führen.

Verankerung des Zieles, dass die Wohnungen mit niedriger Miete nicht konzentriert in einem Bereich ausgewiesen werden. Dadurch soll erreicht werden, dass Bewohner mit unterschiedlicher Zahlungsfähigkeit kleinteilig durchmischt nebeneinander wohnen.

Begründung: In sämtlichen Bürgerforen wurde dies gefordert, von allen Gemeinderats- und Verwaltungs- Vertretern bisher zugesagt. Da es offensichtlich möglich ist das „Wohnungspolitische Konzept“ in den Bebauungsplan aufzunehmen und Teile der Baufelder daran zu binden, kann in gleicher Weise auch die Durchmischung durch eine Vorgabe gefordert werden. Einer Ghettobildung muss im Vorfeld aktiv entgegen gewirkt werden.

Radfahrrecht Verbindungsweg Kirschgartenstraße Feuerbachstraße Auf dem Verbindungsweg zwischen dem nördlichen Ende der Kirschgartenstraße und der Feuerbachstraße ist ein Fahrrecht für Fahrradfahrer zugunsten der Allgemeinheit einzuräumen.

Begründung: Es handelt sich um einen Weg, der derzeit für Fahrradfahrer nutzbar ist und viel genutzt wird. Ein Abschaffen dieser Fahrradverbindung würde dem Ziel der Förderung des Radverkehrs zuwider laufen.

Streichen des Weges südlich der Chapel: Das Fahr- und Gehrecht südlich der Chapel soll entfallen. Begründung: Das Grundstück der Chapel bleibt im Eigentum der Stadt Heidelberg. Die Planungen zur Gestaltung der Chapel und ihres Außenbereiches sind noch in einem sehr frühen Stadium. Die Festlegung, an dieser Stelle einen Weg zu bauen, sollte unterbleiben, um die Möglichkeiten der Gestaltung nicht ungebührlich einzuschränken. Außerdem wären erhaltenswerte Bäume gefährdet. Die Erschließung des Grundstückes ist anderweitig leicht möglich.

Zusatz zur Gestaltung Römerstraße Die Planungen für die Römerstraße können nicht losgelöst von diesem Bebauungsplan erfolgen, sondern haben überaus wichtige Auswirkungen auch auf dessen Bestimmungen. Darum sollten sie vor der Verabschiedung dieses Bebauungsplans veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden.

Offene Fragen sind u.a.:

Gestaltung eines potenziellen Mittelstreifens (Begrünung!),

Gestaltung des Fahrbahnrands (Parkplätze,

ausreichende Trennung von Fahrrad- und Gehwegen),

Gestaltung von Fußgänger- und Fahrradquerungen.

Ampelanlagen Entschleunigung des Autoverkehrs und Reduktion des enormen Gefährdungspotentials für Kinder u. Ältere.

Lärmschutz (kommt auf der gesamten Strecke der in Aussicht gestellte „Flüsterasphalt“?).

Bebaungsplanentwurf MTV Nord

Für die Fläche zwischen Feuerbachstraße und Rheinstraße und zu beiden Seiten der Römerstraße hat die Stadt im Jahr 2014 eine Mehrfachbeauftragung durchgeführt. Fünf Architektenbüros hatten fristgerecht Entwürfe eingereicht. Der Sieger, die Arbeitsgemeinschaft teleinternetcafé/TH Treibhaus wurde mit der Überarbeitung und Vertiefung des städtebaulichen Konzeptes beauftragt. Bereits am 11. Februar hatte die Bürgerschaft bei einem Bürgerforum Gelegenheit, sich zu den Plänen zu äußern. Nun stand am 28. Juli die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplanvorentwurf an. Dort wurde auch erläutert, wie der aktuelle Bearbeitungsstand des städtebaulichen Vorentwurfs aussieht.

Der Bebauungsplan umfasst ein Areal, das gegenüber der Mehrfachbeauftragung erweitert wurde. Es beinhaltet nun auch die ehemalige High School (Mark Twain Schule) und die Chapel und zeigt, wie die Weiterentwicklung der beiden Gebäudekomplexe zwischen Mark-Twain-Straße, Zengerstraße, Edisonstraße und Roeblingstraße aussehen könnte.

Im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung werden die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung, mögliche vorhandene Planungsalternativen sowie die voraussichtlichen Auswirkungen der Planung im Bereich „Mark-Twain-Village Nord“ erläutert. Danach besteht Gelegenheit zur Äußerung und Erörterung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Planunterlagen vom 23. Juli 2015 bis einschließlich 28. August 2015 im Internet unter www.heidelberg.de/bekanntmachungen und im Technischen Bürgeramt der Stadt Heidelberg einzusehen.

Die Arbeit von Teleinternetcafé/TH Treibhaus sieht rund 800 Wohneinheiten zu beiden Seiten der Römerstraße vor. Insgesamt sollen auf den ehemaligen Army-Flächen in der Südstadt rund 1400 Wohneinheiten entstehen – davon 70 Prozent im preiswerten Segment. Als Partner für dieses Vorhaben hat die Stadt das Heidelberger Bündnis für Konversionsflächen gewonnen, in dem sich sechs genossenschaftliche Banken und Wohnungsbauunternehmen zusammengeschlossen haben. In die ehemalige High School soll die Julius-Springer-Schule einziehen.