„Die Zäune kommen weg“ Stellungnahme des Stadtteilvereins Heidelberg-Südstadt e.V.

Betr. Artikel „Die Zäune kommen weg“  in der RNZ vom 15. 6. 17,

In diesem Artikel heißt es, die Bürgerschaft sei für die Entfernung der Zäune an der Römerstraße. Zu dieser Bürgerschaft gehören auch wir, der Stadtteilverein. Wir haben diesen Wunsch aufgenommen und uns von Anfang an dafür eingesetzt, dass die Zäune, die Mark Twain und Campbell in ein Reservat verwandeln, auf jeden Fall entfernt werden müssen. Komplett eingezäunte und vor allem auf diese Weise eingezäunte Quartiere gibt es nirgendwo im Stadtgebiet, sie gehören auch hier nicht hin.

An der Kirschgartenstraße, wo sie im letzten Jahr entfernt wurden, vermisst sie niemand mehr.
Im besten Fall wird man sie sehr bald vergessen haben.

Nun muss man unterscheiden zwischen „Zaun“ und „Zaun“. Mit dem Begriff „Zaun“ sind hier die NATO-Gitter zu verstehen, die nach den Terroranschlägen 2001 von den Amerikanern zum Schutz ihrer Siedlungen errichtet wurden. Sie sind häufig tiefgründig verankert, bis zu 3m hoch, teilweise mit Stacheldrahtkrone.
So etwas hat in einem Wohngebiet nichts verloren. Die Südstadt hat durch die Errichtung schwerwiegende Einschränkungen erfahren. Diese Gitter müssen entfernt werden.

Wir unterstützen allerdings den Bebauungsplan für MTV Süd und haben uns selbst dafür eingesetzt, dass individuelle Einfriedungen erlaubt sind. Dies können Mauern, Hecken, niedrige Zäune sein, der Bebauungsplan lässt hier verschiedene Möglichkeiten. Ein Teil der mit Sandstein verkleideten Mauern wird an der Römerstraße stehen bleiben müssen, hier sind eine Reihe von Möglichkeiten denkbar, eine Abgrenzung dort, wo sie notwendig erscheint, ästhetisch und gleichzeitig praktisch sinnvoll zu gestalten. Eine optische Öffnung und Auflockerung zur Römerstraße hin schließt eine Einfriedung jedenfalls nicht aus, dies sollte bei der Planung beispielsweise des Parks im neuen MTV-Süd berücksichtigt werden. Die Planungs- und Wettbewerbsarbeiten am „Grünen Band des Wissens“ schließen ja diesen Bereich der Römerstraße ein.

Unsere Hoffnung ist, dass sich hier Lösungen finden, die die Interessen der Anwohner zum Schutz ihrer Kinder mit guten Ideen für die Gestaltung der Römerstraße verbinden.

Der Vorstand

Stadtteilverein Heidelberg-Südstadt e.V.

Juni 2017

Positionen zur Stadtteilentwicklung in der Südstadt

Die Konversion der ehemals von den Amerikanern genutzten Flächen in zentraler Lage Heidelbergs stellt auf Jahrzehnte hinaus eine einmalige Chance dar, die Entwicklung nicht nur des Stadtteils, sondern der gesamten Stadt Heidelberg zu bereichern. Der Stadtteil Südstadt soll sich wie andere Stadtteile auch zu einem lebendigen Stadtteil für Alt- und Neubürger entwickeln, eine eigene Identität entwickeln, sowie auch in verschiedenen Bereichen auf die Gesamtstadt ausstrahlen! Auf diesem Grundsatz sollen die städtebaulichen Planungen in der Südstadt aufbauen. Engagement und volle Unterstützung der Stadt werden hierfür gebraucht. Der Stadtteilverein Heidelberg-Südstadt e.V. bietet seine umfassende und konstruktive Mitarbeit bei der Erarbeitung der Konzepte an und freut sich, wie von der Stadt zugesagt daran beteiligt zu werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kristallisieren sich zentrale Elemente der Stadtteilentwicklung folgendermaßen heraus:

  1. Stadtteilzentrum: Die Entwicklung eines Stadtteilzentrums mit Versorgungseinrichtungen für den täglichen Bedarf gehört als wichtiger Kondensationspunkt für alle weiteren Entwicklungen unerlässlich dazu. Dieses sollte sich möglichst zentral, also nah an der Römerstraße etablieren. Von diesem Ort wird zukünftig eine bedeutende Ausstrahlung für den Stadtteil ausgehen. Heute noch nicht vorhersehbare Entwicklungen müssen im Bebauungsplan den nötigen Spielraum für eine freie Entfaltung garantiert bekommen. Zur Identitätsentwicklung eines lebendigen Stadtteils gehört auch die Ansiedlung kultureller / städtischer Einrichtungen, sowohl für den Stadtteil als auch als Anziehungspunkt für die ganze Stadt.
  2. Paradeplatz: Der Paradeplatz sollte in alle Planungen der Stadtteilentwicklung so einbezogen werden, dass ein lebendiger Platz entsteht. Auf dem Platz sollte es beispielsweise die Möglichkeit geben, abends ein Bier zu trinken, darüber hinaus bietet er sich an für Open-Air-Veranstaltungen. Ferner könnte eine öffentliche Einrichtung wie etwa ein Peace Center vom Torhaus ausgehend auf den Paradeplatz hinaus angesiedelt sein und dadurch an wiedererkennbarer Stelle deutlich mehr Öffentlichkeit erhalten und verbreiten als z.B. im Park an der Kommandantur.
  3. Vielfältiges Wohnungsangebot: Zukünftige Südstadt-Bewohner sind herzlich willkommen und sollen sich ebenfalls hier wohlfühlen. Eine kleinräumliche Durchmischung unterschiedlichster Wohn-Typen ist unabdingbar, um eine lebendige und vielfältige Entwicklung zu gewährleisten. Dies umfasst Miet- und Eigentumswohnungen unterschiedlicher Preissegmente, Spielraum für neue Wohnmodelle sowie Berücksichtigung der Belange verschiedener Generationen. Als Bindeglied zum gewachsenen Bestand sind auch kleinteilige Einheiten entlang der Kirschgartenstraße denkbar. Die Kriterien, nach denen die Stadt die von ihr angekauften Flächen weiterverkauft, müssen frühzeitig der Öffentlichkeit bekannt gegeben und diskutiert werden können. 
  4. Nutzungsmischung: Kultur und Bildung / Wissenschaft sowie Gewerbe und Dienstleistung sollen angemessene, ausgewogene Planungsspielräume und Ansiedlungsmöglichkeiten und dadurch auch die Möglichkeit zur Schaffung von Arbeitsplätzen bekommen. Größere Teile des Areals insbesondere im Westen, aber auch entlang der Römerstraße bieten sich als Mischgebiete an.
  5. Grüner Stadtteil: Der Stadtteil soll dauerhaft durchgrünt bleiben. Ein planerisches Konzept soll sicherstellen, dass eine durchlässige Bebauung mit begleitendem Grün, akzentuiert durch den alten Baumbestand, die Grundzüge der Neuplanung darstellen.
  6. Abbau der Zäune: Die vor einigen Jahren zur Terrorabwehr errichteten hohen Mauern und Gitter müssen umgehend komplett zurückgebaut werden. Anders sind eine gesunde Stadtteilentwicklung und eine selbstverständlich notwendige Durchlässigkeit nicht möglich. Nur so ist auch die Wahrnehmung der Römerstraße als trennende Schneise zu verhindern. Selbstverständlich sollen individuelle Einfriedungen im üblichen Maß möglich sein.
  7. Querverbindungen: Die Absperrung öffentlicher Straßen, wie Saarstraße und Columbusstraße, muss schnellstmöglich rückgängig gemacht werden, damit lange genutzte Ost-West-Verbindungen wieder geöffnet werden können.
  8. Römerstraße: Die Planungen zur Römerstraße müssen die Trennwirkung der Straße entschärfen. Die Römerstraße soll sich von einer reinen Verkehrsachse und Ausfallstraße zu einer Stadtstraße mit räumlichen Qualitäten, Abfolgen und einem eigenen Rhythmus entwickeln. Ausreichende Möglichkeiten, die Straße gefahrlos (auch für Kinder und alte Menschen) zu überqueren, sind vorzusehen. Ein die Verkehrslast verringerndes übergreifendes Verkehrskonzept ist mitzudenken. 
  9. Verkehrsplanung: Eine realistische Planung des Ruhenden Verkehrs im erweiterten Stadtteil ist vielschichtig unter Würdigung aller Varianten und Möglichkeiten anzugehen. Eine gute ÖPNV-Anbindung, z.B. Busse zur S-Bahn und zum Hauptbahnhof, ist unerlässlich. Gute Bedingungen für den Fahrradverkehr, einschließlich angemessener Stellplätze, sind zu schaffen.
  10. Versammlungsräume: Wie jeder andere lebendige Stadtteil braucht auch die Südstadt sinnvoll entwickelte Versammlungsräume, die der Bürgerschaft zur Verfügung stehen und ggf. von dieser selbst verwaltet werden.

Zusätzlich sollen Ideen aus der Bürgerbeteiligung und dem Europan-Projekt geprüft und einbezogen werden. Beispiele: 1. Eine öffentliche Einrichtung mit ausstrahlender Wirkung ins Torhaus und an den Paradeplatz. 2. Eine neue Grüne Achse Erschließung und Entwicklung Nord- Süd mit einem Wohnungsschwerpunkt im Westen. 3. Die Verlängerung des Parks bei der Kommandantur über die Römerstraße hinweg bis zur Kirschgartenstraße als Ost- West-Brückenschlag zwischen den beiden heute getrennten Teilen der Südstadt. Die IBA soll aktiv einbezogen werden und Projektspielräume bekommen. Die Bürgerbeteiligung in verschiedenster Form bleibt ein unverzichtbarer Begleiter auch für viele Detailplanungen in den kommenden Jahren.

Allgemeine Informationen der Stadt Heidelberg