Entwicklung der Stadtteilmitte Südstadt

Im Sommer 2014 wurde aus den Reihen des Entwicklungsbeirates Konversion der Vorschlag gemacht, einen Runden Tisch einzurichten, der sich inhaltlich mit der Entwicklung der künftigen Stadtteilmitte Südstadt auseinandersetzen sollte. Dies geschah vor dem Hintergrund des laufenden Bebauungsplanverfahrens Mark Twain Village - Südost und unterschiedlicher Nutzungsvorstellungen für die Kommandantur und die Chapel. Auch der Bezirksbeirat Südstadt forderte dies und bat darum, lokale Akteure in die Diskussion einzubeziehen.

Die Dokumentation der drei Sitzungen der AG Stadtteilmitte finden Sie hier. Klaus Baron, Mitglied im erweiterten Vorstand des Stadtteilvereins Heidelberg-Südstadt sowie im Entwicklungsbeirat und im Bezirksbeirat Südstadt, hat über die Arbeit der AG einen Bericht verfasst, den wir nachfolgend dokumentieren. 

Ein Bericht aus der Arbeitsgruppe Stadtteilmitte von Dr.Klaus Baron

Die Konversion der ehemaligen US- Flächen in der Südstadt im Einklang mit dem „Wohnungspolitischen Konzept“ der Stadt Heidelberg wird unseren bisherigen Stadtteil in vielfältiger Hinsicht verändern und vergrößern: mehr Grundfläche als bisher, deutlich mehr Gebäudesubstanz als heute, künftig vornehmlich für Wohnraumangebote unterschiedlicher Größe, aber auch für begrenzte Gewerbe-ausübung, und somit letztlich auch mehr hier lebende Menschen als derzeit.

Im Bewusstsein dieser weitreichenden Veränderungen hat sich innerhalb unseres SVS bei unterschiedlichsten Gesprächen sehr schnell die Überzeugung herauskristallisiert, dass für eine wünschenswerte Identitätsbildung in diesem künftigen Stadtteil u.a. eine attraktive und leistungsfähige Stadtteilmitte (SM) geplant und geschaffen werden muss. Der SVS hat dazu ein Papier entworfen (s. …..), in dem ausgeführt wird, welche „Angebote“ im Bereich einer SM vorgefunden werden sollten. Auch zur Standortfrage hat sich der SVS mit Präferenzen positioniert.

Von den Verantwortlichen unseres SVS wurde all dies bei Kontakten mit offiziellen Stellen der Stadt HD immer wieder angesprochen. Schließlich wurde auf Initiative des 1. Bürgermeisters der Stadt als Baustein des „Dialogischen Planungsprozesses“ eine „Arbeitsgruppe Stadtteilmitte“ gegründet und mit Vertretern/innen aus dem Entwicklungsbeirat und Akteuren aus der Südstadt, u.a. Stadtteilverein, soziale und kirchliche Einrichtungen sowie Einzelhandel paritätisch besetzt. Zielsetzung der Arbeitsgruppe war die Formulierung einer Empfehlung „Perspektive Stadtteilmitte Südstadt“.

Die Arbeitsgruppe Stadtteilmitte (AG SM) hat sich zu drei Arbeitssitzungen verpflichtet, die jeweils vom Amt für „Stadtentwicklung und Statistik“ mit Herrn Hahn als Amtsleiter organisiert wurden. Ein erster Arbeitspunkt war die Frage, wo eine SM verortet werden sollte. Nach intensiven Diskussionen hat sich eine Mehrheitsmeinung dahingehend gebildet, dass der zentrale Bereich der SM im Umfeld des direkt nördlich der Rheinstraße geplanten Nahversorgers sowie der direkt südlich der Rheinstraße gelegenen Chapel ausgebildet sein muss und es zusätzlich darauf ankommt, mit Ideenreichtum einen Kontext zwischen den beiden Seiten der Rheinstraße zu entwickeln. Darüberhinaus bedarf es aber einer ergänzenden Ansiedlung von Einzelhandels- , Versorgungs-, Dienstleistungs- und Infrastrukturangeboten auf der nördlichen Seite der Rheinstraße in Umgebung des Nahversorgers, aber auch auf der nördlichen Seite der Rheinstraße westlich der Römerstraße. Dieses Areal bietet sich für Zwecke einer SM wegen seiner offenen Lage direkt gegenüber vom Bürgerpark gut an. Entsprechend hatte der Siegerentwurf aus der „Mehrfachbeauftragung für MTV-Nord“ für dieses Areal auch ein Gebäudedesign mit Fassadenstrukturen entworfen, die eine lebendige Nutzung der dortigen künftigen Angebote, gerade auch gastronomischer Art, erwarten lassen. Eine gewünschte Anbindung der SM an den Bürgerpark ist somit gegeben, muß aber ebenso für MTV-Nord als Ganzes, die Campbell Barracks und den Schulstandort im Nordwesten noch herausgearbeitet werden. Schließlich ist auch eine verbesserte Erreichbarkeit mit dem ÖPNV sicherzustellen. Aufbauend auf diesen bisherigen Grundgedanken soll sich eine moderne, offene, lebendige, für „Jung“, „Alt“ und Familien attraktive SM entwickeln, die dazu beiträgt, die beiden „Stadtteilhälften“ nachbarschaftlich zu integrieren und ein positives Umfeld zur Förderung des Gemein- und Vereinswesens darstellt.

In einem nächsten Überlegungsprozess war sodann vertieft zu hinterfragen, welche Eigenschaften und Funktionen die SM haben soll und welche Elemente dies erfordert. Es ergab sich, dass eine akzeptable räumliche Dichte eine zwingende Voraussetzung für eine funktionierende SM mit einer Mischnutzung aus Wohnen, Handel, sozialer und kultureller Infrastruktur ist. Dies wiederum erfordert die Schaffung baulicher Strukturen, die eine Belebung der Erdgeschosszonen im Bereich der SM ermöglichen. Ganz wichtig ist aber auch, dass beim Nahversorgungsstandort kreative Lösungen hinsichtlich der Erschließung, Parkierung und Anlieferung gesucht werden, um einen Interessenkonflikt mit der bestehenden und künftigen Wohnnutzung zu vermeiden. Außerdem sollte versucht werden, dass die SM auch gesamtstädtische Angebote aufnehmen kann, um hierdurch ein attraktiver Ort zu sein, dessen Ausstrahlungskraft über den Bereich des eigentlichen Stadtteils Südstadt hinausgeht.

Außer den bereits genannten Elementen Nahversorgung, zusätzliche Dienstleistungen und Gastronomie muss die SM auch ein Bürgerbegegnungszentrum für soziale und Beratungs- Angebote sowie die Möglichkeit kultureller und gesellschaftlicher Aktivitäten bereitstellen. Hierzu werden geeignete Räume für z.B. Musik-, Tanz-, Schauspielveranstaltungen, Gesprächskreise, Kunstausstellungen, Jugend-/Seniorentreff, Festveranstaltungen sowie Freizeitsport benötigt. Auch entsprechende Außenfreiflächen für z.B. Stadtteilfeste, Floh-, Weihnachtsmarkt, Advents-„Glühen“, Kinderspielplatz, Freiluftschach etc. sind bereichernd und daher wünschenswert.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass bei verschiedenen Gelegenheiten, u.a. auch im Bürgerforum am 11.02., immer wieder die Frage gestellt wurde, warum in der SM überhaupt ein Nahversorger als Vollsortimenter geplant werden soll anstatt nur kleinere Einzelhandelsgeschäfte, ein Bioladen, ggf. eine „Markthalle“ oder auch ein Discounter. Auch die AG SM hat sich engagiert mit dieser Thematik befasst. Das mehrheitliche Ergebnis war, dass ein Vollsortimenter, mit einem deutlich breiteren Warenangebot als ein Discounter, gerade durch das Potenzial aus seiner Lage an der Römerstraße überhaupt erst die erforderliche Laufkundschaft und „Frequenz“ in die SM bringt. Denn auch die zu erwartende künftige Einwohnerzahl der Südstadt alleine reicht als Bemessungsgrundlage für eine Gewinnerzielungswahrscheinlichkeit des Nahversorgers nicht aus. Dann aber bietet ein Vollsortimenter gewissermaßen als „Anker“ die Chance, dass sich weitere kleinere Läden überhaupt erst ansiedeln und sich die gewünschte vielfältige Angebotsstruktur entwickeln kann. Dieses Konzept steht nicht im Widerspruch zu ergänzenden Nahversorgungsangeboten, wie z.B. ein Biomarkt, was ausdrücklich befürwortet wird.

Ein weiteres großes Diskussionsthema ergab sich aus der Frage, wie man aus der geplanten SM und dem gewünschten Bürgerpark ( = Park in Umgebung der Kommandantur plus Grünflächen südlich der Chapel) eine ansprechende, überzeugende Gesamtheit schaffen kann. Hier hat sich Übereinstimmung in der Absicht gezeigt, den Bürgerpark nicht nur gewissermaßen als „Standard“ – Grünfläche vorzusehen, sondern die Chance zu nutzen, etwas „Neues“ zu gestalten, was es so in HD noch nicht gibt und damit ein Alleinstellungsmerkmal mit stadtweiter und sogar darüberhinausgehender Anziehungskraft zu schaffen. Von der IBA wurde hierzu die Idee eines „Park des Wissens“ und vom BUND die Idee eines „Naturerfahrungsraums“ eingebracht. Unter Einbeziehung der heute noch versiegelten Flächen direkt westlich der Kommandantur durch Entsiegelung und Begrünung ließe es sich hier mit einem Naturerlebnisraum beginnen, ggf. auch unter Einschluss von durch Bürger/-innen selbst gestalteter Teilflächen. Das Eddy-Haus könnte die Funktion eines „Haus des Wissens/Lernens“ übernehmen. Im weiteren Parkverlauf ließen sich konventionelle Aspekte in Form eines Freiflächenangebots für Treffpunktsmöglichkeiten mit Aufenthaltsruhe, Spielplatz, Grillplatz etc. umsetzen. Es gibt also bereits jetzt durchaus Ideen für eine attraktive Gestaltung des Bürgerparks, sodass für einen weiteren „Dialogischer Planungsprozeß Bürgerpark“ (ca. Q4/15) gute Grundlagen vorliegen, um letztendliche Festlegungen zu erarbeiten.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, dass u.a. mit Rückgriff auf die vielfältigen engagierten Beiträge aus der Bürgerschaft dem Entwicklungsbeirat von der AG SM eine verfolgenswerte „Perspektive Stadtteilmitte Südstadt“ vorgelegt werden konnte. Schließlich soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass - auch wenn die strukturellen Voraussetzungen für eine lebendige SM durch Investitionen ge-schaffen worden sind - Weiteres in erster Linie letztendlich von uns Südstadtbürgern, den heutigen und den künftig hinzuziehenden, abhängt. Wir entscheiden mit unserem Geschäftsverhalten, ob die Angebote, die wir uns wünschen, lebensfähig sind. Denn sie basieren überwiegend auf privatwirt-schaftlicher Grundlage und hier entscheidet das finanzielle Ergebnis über „Sein“ oder „Nichtsein“. Finanzierungen seitens der Öffentlichen Hand können bei einer SM nur für spezielle Einrichtungen angestrebt und eingefordert werden.

Anforderungskatalog für eine Stadtteilmitte

Folgende Wünsche und Vorstellungen hinsichtlich eines Stadtteilzentrums wurden von Südstadt-Bewohnern geäußert:

1. Einkauf / Nahversorgung

  • Nahversorgungseinrichtung (Lebensmittel / Drogerie)
  • Bäckerei
  • Zeitschriften, Papier- und Schreibwaren, begrenzter Bürobedarf
  • Reinigung, Wäschereiannahme
  • Friseur
  • Änderungsschneiderei
  • Schuhmacherei
  • Apotheke
  • Poststelle Bank/Sparkasse, mindestens Geldautomat
  • Toto-/Lotto-/Wettannahme
  • Café / Bistro/ (kleinere?)Gastronomie
  • Raum für Imbissstand / einzelne Marktstände

2. Dienstleistungen  

  • Bürgeramt
  • Arzt
  • Physiotherapeut
  • Rechtsanwalt
  • Versicherungsagent
  • Steuerberater
  • Architekt  

3. Weitere Einrichtungen

  • Kinderkrippe
  • Schülerbetreuung
  • Jugendtreff
  • Seniorentreff
  • Stadtteiltreff
  • Bildungseinrichtungen
  • Kulturelle Einrichtungen 

4. Verkehrsinfrastruktur

  • Bushaltestelle
  • Taxistand
  • Fahrradständer
  • Parkplätze